Auf der Suche nach dem Unterscheidungsmerkmal.

Es ist ja auch zum Mäusemelken: Andere Unternehmen machen genau das Gleiche, wie man selbst! Ein eigentlich unhaltbarer Zustand, will man auf dem Markt bestehen.

Hm. Doof.

Hierzu eine kleine Anekdote.

Es ist noch nicht so lange her, da sprach ich mit einer “Sekretärin auf Zeit”, die aus persönlichen Gründen von München nach Hamburg ziehen wollte, um dann hier projektbezogen für Kunden zu arbeiten, deren eigentliche Sekretärin aus privaten oder gesundheitlichen Gründen ausgefallen ist.

In ihrer Heimatstadt hatte sie Kunden, die ihre Leistung gerne und oft in Anspruch nahmen. In Hamburg kannte sie lediglich ihre neue Adresse.

Nun fragte sie sich natürlich – ganz Unternehmerin – wie sie denn wohl an neue Kunden kommen würde. Ein durchaus guter Ansatz, sich diese Frage zu stellen. So beginnt Akquise!

Was es denn wäre, das ihre Leistung von der anderer Sekretärinnen auf Zeit unterscheidet, wollte ich wissen. Sie blieb mir die Antwort nicht schuldig und zählte an ihren Fingern auf: „Ich kann superschnell tippen, bin klasse in der Ablage und habe eine schöne Telefonstimme!“

Toll, mit solchen Leistungen im Gepäck steht einer Übernahme der Weltherrschaft ja nichts mehr im Weg …

Jetzt muss man mal eine Sekunde nachdenken. Was passiert eigentlich, wenn man sich eine “Sekretärin auf Zeit” ins Haus holt tatsächlich? Nun, in erster Linie taucht da eine Dame auf, die zum Teil sehr intime Einblicke in die Gepflogenheiten eines Unternehmens gewinnt, ohne ein echter Teil des Unternehmens zu sein.

Sie erfährt möglicherweise, dass der Chef eine Geliebte hat, Leistungen in bar vergütet werden man aus Gründen der Ressourcenschonung keine Rechnungen schreibt oder man durch Einladung hochrangiger Beamte in den Puff die Vergabe öffentlicher Aufträge verblüffend häufig für sich entscheiden kann. Nicht umsonst leitet sich der Begriff “Sekretär” vom lateinischen “Secretae” ab, das sich mit “Geheimnis” übersetzen lässt.

Kurz und gut: Ein wesentliches Verkaufsargument einer Sekretärin auf Zeit ist ihre Diskretion.

Mein Vorschlag lautete entsprechend, dass die Dame zum Zweck der Eigenwerbung eine Mappe versenden sollte, auf der in Schönschreibschrift geschrieben stehen müsste: ”Die 10 bestgehütetsten Betriebsgeheimnisse meiner vorherigen Arbeitgeber”. Gefüllt wird die Mappe mit vielleicht 30 leeren Blatt Papier und das war’s dann auch schon.

Es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn das Mäppchen nicht geöffnet würde. Die Neugier des Menschen ist ja so vorhersehbar …

Tut man es und öffnet die Akte des Verrats, steht dort auf der ersten Seite zu lesen:

„Wenn ich für Sie genauso verschwiegen sein darf,
rufen Sie mich an: 040 / 12 34 56 78.

Erika Mustermann. Ihre Sekretärin auf Zeit.”

Wenn man dann mag, kann man die Aufforderung zum Anruf dadurch verstärken, dass auf die Punkte weiter oben verwiesen wird und noch ergänzt: „Ich kann superschnell tippen, bin klasse in der Ablage und habe eine schöne Telefonstimme!“

Mein persönliches Fazit lautet: Es gibt immer etwas, über das zu sprechen sich lohnt. Man muss nur im gesunden Menschenverstand suchen.

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